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Aventin, 500 Jahre Landwehr der Römer in Bayern

Festveranstaltung und Ausstellungseröffnung: Interessantes zu Aventin und dem „Pfahl-Limes“

Als Auftakt zur Ausstellung 500 Jahre Landwehr der Römer konnten zahlreiche Interessierte aus Nah und Fern viel Unbekanntes und Neues zum Limes, der alten Landwehr der Römer in unserer Region erfahren. Nach der Begrüßung im Spiegelsaal der ehemals Fürstbischöflichen Residenz durch Karl Heinz Rieder, dem ersten Vorsitzen des Vereins für Heimatpflege im Schuttergäu und Kreisheimatpfleger, freute sich dieser über die große Zahl an Gästen, die der Einladung gefolgt waren. Als stellvertretende Landrätin ging Rita Böhm, selbst Bürgermeisterin einer Limesgemeinde, in ihrem Grußwort auf die vielfältigen Chancen der Zusammenarbeit der Kommunen entlang des Welterbes ein.

 

Spannende Perspektiven eröffnete Kerstin Merkel, Professorin an der Katholischen Universität Eichstätt und stellvertretende Vorsitzende der Nassenfelser Heimatvereins, zum Lebensweg von Johannes Thurmair, aus Abensberg, genannt Aventinus. Nach seinem Studium in Ingolstadt, Krakau und Paris wurde er zunächst zum Erzieher der herzoglichen Söhne bestellt und 1517 zum ersten Historiografen Bayerns bestimmt. Ausgestattet mit herzoglichen Privilegien durchreiste er das Land und betrieb eine Quellenkunde an den Wurzeln. So war er beispielsweise am 10. April 1518 in Eichstätt bei Fürstbischof Gabriel von Eyb der ihm seine Sammlung zeigte. Aventin berichtet von drei römischen Inschriftsteinen aus Nassenfels, sowie „alt sporn, erdig geprennt heflein, pecher und viel ander hausrat mehr“ In Erfüllung seines Auftrages wurde seine bayerische Chronik zunächst in Latein, und nach seinem Tode auch in deutscher Sprache veröffentlicht. Aventin hat mit 52 Jahren noch geheiratet. Er starb im Jahr 1534 mit 57 Jahren und liegt in Regensburg begraben. Sein Grabstein zeigt ihn im Talar eines Professors mit Vollbart und Klappmütze, seine Hände auf Büchern ruhend.

 

Karl Heinz Rieder begann sein Referat mit einem Blick auf die Handschrift Aventins und dem Erstdruck seiner Bayrisch Chronik aus dem Jahr 1519, auf wenigen Seiten hat er durch diese eine Kurzfassung vorgelegt. Darin findet sich der Absatz, in dem er erstmals von einer Landwehr der Römer spricht. Charakterisiert hat er sie als Graben und aufgeschütteter Wehr, die von Nassenfels bis hinab nach Neustadt zieht. Um Nassenfels herum bezeichnet sie der gemeine Mann als „Vall“ also Pfahl, die Römer nannten sie Vallum. Dass es in Nassenfels drei Inschriftsteine gibt und römischer Hausrat ausgegraben wird, traf sicher zu, doch der Burgstall ist sicher nicht römisch, auch gab es dort kein Bistum. Letztlich war auch die Landwehr nicht der Limes, sondern der Damm der römischen Hauptstrasse von Augsburg nach Regensburg. Rieder ging in seinem Vortrag der Verwendung des Wortes Pfahl nach und fand diese Richtung Zell, Meilenhofen und Biesenhard. Bemerkenswert ist die Bezeichnung in Karten des 16.Jh. im Wittmes Richtung Dollnstein. Von Nassenfels gibt es Flurbezeichnungen nach Osten in Wolkertshofen und Buxheim. Auch nach Norden wurde der Begriff Pfahl für die Römerstraße nach Pfünz in Möckenlohe, Adelschlag und Pietenfeld verwendet.

 

Rieder ging weiterhin auf die Reihe der Pfahlnennungen von Kipfenberg aus ein. Dort finden sich der Pfahlbuck, Pfahldorf, Pfahlhecke und so fort Richtung Weissenburg in Großer Zahl. Hier trifft die Bezeichnung tatsächlich auf den Limes, also die Landwehr zu. In Richtung Osten findet man den Pfahlranken bei Hienheim und den Hohenpfahl bei Kelheim. Selbst auf nichtrömische Wälle hat man die Bezeichnung „Pfahl“ verwendet, wie den Keltenwall von Manching. Dass die Begriffsübertragung allgemein auf geradlinig verlaufende Wälle übertragen wurde zeigt sich eindrucksvoll an dem kilometerlangen Quarzgang geologischer Natur in der Oberpfalz. Als letztere Redner hatte Markus Gschwind vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Koordinator der archäologischen Welterbestätten in Bayern den Limes zum Thema. Nach der Schilderung des Werdeganges erläuterte Gschwind die heutige Situation bei der internationalen Zusammenarbeit. Letztlich sei das Ziel, die Außengrenzen des Römischen Reiches vollständig den Welterbestatus angedeihen zu lassen. Der Weg dorthin sei schwierig, da die Schutzebenen in den betroffenen Ländern auf drei Kontinenten stark voneinander abweichen.

 

Nach dem Dank an die Unterstützer und Helfer konnte die Ausstellung besichtigt und die Verwendung der Bezeichnung Pfahl auf den historischen Karten nachvollzogen werden. Noch lange diskutierten die Besucher vor den thematisch und regional zusammengestellten Tafeln. Die Ausstellung ist noch bis zum 13. Dezember im Treppenhaus des Landratsamtes zu den üblichen Öffnungszeiten des Amtes zu besichtigen.                                                 Pp

 

 

Foto: Hager

 

 

Kategorien: Presse