Infektionsschutzgerechte Fensterlüftung ausreichend

Landrat und Schulleitungen bestätigen Entscheidung gegen Luftreinigungsgeräte

Die Neuregelung und Lockerung der Infektionsschutzmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie hat die Kreisverwaltung zum Anlass genommen, die an den Schulen in Landkreisträgerschaft praktizierten Hygiene- und Schutzmaßnahmen vor Unterrichtsbeginn erneut auf den Prüfstand zu stellen. Das betrifft die Berufsschule in Eichstätt, das Schulzentrum Eichstätt-Schottenau (Willibald-Gymnasium und Mittelschule), die Gymnasien in Gaimersheim und Beilngries, die Realschulen in Kösching und Beilngries sowie die Förderschulen in Eichstätt und Beilngries.

 

Mit den Leitern dieser Schulen erörterte Landrat Alexander Anetsberger zum wiederholten Male die aktuelle Situation im Hinblick auf die Beschaffung von Luftreinigungsgeräten. Dabei kamen Landrat und Schulleiter einvernehmlich überein, an ihrem Mitte Juli getroffenen Entschluss festzuhalten, solche Geräte zunächst nicht anzuschaffen. Wie Vertreter eines vom Landkreis beauftragten Ingenieurbüros für Lüftungstechnik sowie das Eichstätter Gesundheitsamt bestätigten, sind alle lufthygienischen und infektionsschutzrechtlichen Anforderungen auch ohne den Einsatz von Luftreinigungsgeräten erfüllbar und werden an den Landkreisschulen in der Praxis bei Anwendung der bewährten Hygienekonzepte auch erfüllt.

 

Landrat und Schulleiter vermissen im Falle des Einsatzes von Luftreinigungsgeräten Erleichterungen bei Infektionsschutzanforderungen, die über die ohnehin geltenden Lockerungen hinausgehen. Der Einsatz von Luftreinigungsgeräten macht nach aktueller Rechtslage in vielerlei Hinsicht keinen Unterschied: Mit oder ohne den Geräteeinsatz ist eine regelmäßige Fensterlüftung zur Gewährleistung einer Frischluftzufuhr grundsätzlich notwendig, es sei denn, die Schule verfügt über eine festinstallierte Lüftungsanlage. Eine permanente Fensteröffnung ist hingegen nicht erforderlich. Daher muss auch während des Winters kein Schüler bei offenen Fenstern frierend im Klassenzimmer sitzen. Der Betrieb von Luftreinigungsgeräten ändert nichts im Hinblick auf Maskenpflicht, Mindestabstand, Testung und Inzidenzwerte. Auch im Falle einer Inzidenz von über 100 findet künftig und anders als früher Präsenzunterricht statt. Distanzunterricht dürfte damit grundsätzlich der Vergangenheit angehören.

 

Das Eichstätter Gesundheitsamt sieht in den Luftreinigungsgeräten keine Vorteile gegenüber einer ordnungsgemäßen Fensterlüftung. Daher kann der Verzicht auf den Einsatz von Luftreinigungsgeräten nach Ansicht des Gesundheitsamts durch herkömmliche Fensterlüftung gemäß Rahmenhygieneplan gleichwertig kompensiert werden. Die Praxis der Gewährleistung der Raumlufthygiene, sei es durch Fensteröffnung oder mittels Luftreinigungsgeräten, ist bei der Beurteilung durch das Gesundheitsamt einer von mehreren zu berücksichtigenden Gesichtspunkten.

 

Vor allem aber zeigt sich im Falle des Betriebs von Luftreinigungsgeräten kein Mehrwert hinsichtlich etwaiger Quarantänemaßnahmen. Das Gesundheitsamt wird Entscheidungen über Quarantänemaßnahmen stets mit Augenmaß und mit dem Ziel, Präsenzunterricht so weit wie möglich aufrechtzuerhalten, treffen.

 

Entgegen anderslautenden Pressemeldungen der Bayerischen Staatsregierung ergibt sich weder aus der neuen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung noch aus den jüngsten Schreiben des Kultus- und des Gesundheitsministeriums, dass es im Falle des Einsatzes von Luftreinigungsgeräten zu weiteren Erleichterungen beim Unterrichtsbetrieb oder bei Quarantäneanordnung kommt.

 

Lufthygienischen Vorteilen, die der Betrieb von Luftreinigungsgeräten mit sich bringt, stehen nach Einschätzung von Landrat, Schulleitern und Ingenieurbüro gewichtige betriebsbedingte Nachteile gegenüber: So gehen von den Geräten permanent Geräusche aus. Die im Zustrombereich der Geräte sitzenden Schüler sind einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt. Die vom Freistaat geförderten Luftreinigungsgeräte mit UV-C-Technik wurden seitens des Umweltbundesamtes bis vor Kurzem noch wegen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken abgelehnt. Schließlich wälzen Luftreinigungsgeräte die vorhandene Raumluft lediglich um, führen also weder Frischluft von außen zu, noch Feuchte oder Gerüche von innen nach außen ab.

 

Schulleiter und Landrat würden es begrüßen, wenn sich noch mehr Landkreisbürger – Erwachsene wie Kinder – impfen lassen würden, und zwar in Einklang mit der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission für alle 12- bis 17-Jährigen.

 

Angesichts all dessen vereinbarten Landrat und Schulleiter einvernehmlich, Lüftungsgeräte bis zu einer wesentlichen Änderung der beschriebenen Sach- oder Rechtslage nicht zu beschaffen. Sofern das Kultus- oder das Gesundheitsministerium neue Anweisungen erlassen sollte, werden Landrat und Schulleiter die Situation zeitnah erneut erörtern und die bisherigen Entscheidungen nochmals auf den Prüfstand stellen.

 

Für den Fall, dass sich die beschriebene Situation oder die Einschätzung der Schulleiter ändern sollte, hat die Kreisverwaltung nach Aussage des Landrats Vorsorge getroffen. Die Ausschreibungsunterlagen sind fertiggestellt, sodass eine Beschaffung von Luftreinigungsgeräten (Kostenschätzung: 3,5 Mio. Euro) zeitnah eingeleitet werden könnte.