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Menschen brauchen eine Perspektive

Neue Kommunale Integrationskoordinatorinnen des Landkreises bereits sehr erfolgreich

Von Petra Preis

Die erste Testphase eines neuen Modellprojektes im Landkreis Eichstätt ist absolut gelungen, nun wird das Projekt weiter verstetigt: Mit Roya Aghdassi und Melanie Szilagyi hat die Landkreisverwaltung zwei in der Arbeit mit Ehrenamtlichen sowie mit Zuwanderern erfahrene neue Mitarbeiterinnen als Kommunale Integrationskoordinatorinnen des Landkreises installiert, die fachlich am Amt für Soziales und Senioren angesiedelt sind. Sachgebietsleiter Frank Schneider und Slaven Boban, Teamleiter Integration, zeigen sich im Gespräch mehr als zufrieden über die sehr positiven Reaktionen vor Ort: „Entstanden ist das Modellprojekt aus unserem Kümmerer-Projekt heraus. Von Vorteil ist sicherlich, dass beide Kolleginnen einen übergeordneten Blick über das breite Spektrum kultureller Identitäten im Landkreis besitzen“, so Boban. Das Projekt ist zugeschnitten auf die Bedürfnisse jeder Gemeinde, berücksichtigt ortsspezifische Projekte und richtet sich mit seinen Angeboten an Asylbewerber, Migranten sowie interessierte Einheimische und Ausländer. „Die neuen Stellen sind als Versuch zu sehen, einer Parallelgesellschaft in unserem Landkreis vorzubeugen. Es geht uns um eine Teilhabe im ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Sinne. Denn die Menschen brauchen eine Perspektive, um sich zu integrieren“, so Teamleiter Slaven Boban. „Alle Zuwanderer sind in unserem Landkreis willkommen, in dem sie leben und arbeiten wollen. Voraussetzung ist der Integrationswille und auch die Integrationsmöglichkeit, aber hier sind wir auf einem guten Weg“, ergänzt Frank Schneider.

 

In den vergangenen Wochen waren Roya Aghdassi und Melanie Szilagyi, die sich die Landkreisgemeinden untereinander aufgeteilt haben, bereits sehr aktiv. Zu ihren Aufgaben gehören u.a. die Entwicklung verschiedener Konzepte und Projekte, die integrationswilligen Zuwanderern helfen, sich mit eigener Identität weiter zu entwickeln, die Durchführung dieser Projekte zusammen mit Ehrenamtlichen sowie die Erarbeitung von Integrationsstrukturen. Beide Landkreismitarbeiterinnen fungieren darüber hinaus als Kommunikationsplattform zum gemeinsamen, regelmäßigen Austausch zwischen den Netzwerkpartnern und sind zentrale Ansprechpartner für staatliche und private Stellen. Die Integrationskoordinatorinnen arbeiten dabei eng mit hauptamtlichen Stellen zusammen, so mit den Organisatoren („Kümmerern“) vor Ort, dem Jobcenter, der Agentur für Arbeit, dem Jugendamt sowie Bildungsträgern und besitzen auch Kenntnis über alle relevanten Integrationsangeboten der staatlichen Stellen.

 

Dass das Ehrenamt in punkto Integration im Alltag nach wie vor eine große Rolle spielt, das weiß Melanie Szilagyi aus eigener ehrenamtlicher Tätigkeit: „Ich war zehn Jahre lang in Denkendorf ehrenamtlich engagiert und habe Geflüchteten Deutschunterricht gegeben. Später habe ich als Kümmerin vor Ort gemerkt, wieviel Freude es mir macht, anderen Menschen zu helfen und diese Leute zu unterstützen. Man verständigt sich zwar oft mit Händen und Füßen und erläutert von der Mülltrennung bis hin zu Busplänen so ziemlich alles und hilft bei der Eingewöhnung, aber es ist der beste Job für mich, weil er mich erfüllt“, sagt Melanie Szilagyi, der die enge Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen sehr wichtig ist. „Somit vermeiden wir Doppelarbeit und können Kontakte vor Ort besser nutzen.“ Es sei viel Eigeninitiative von den Zuwanderern gefragt, eine Sensibilisierung zu Achtsamkeit, „denn unsere Hilfe muss immer eine Hilfe zur Selbsthilfe sein“, unterstreicht Frau Szilagyi. Aktuell knüpft sie an ihre vorherige Kümmerer-Tätigkeit an, ist viel in den Gemeinden vor Ort, um Migranten z.B. Fachbegriffe in Verträgen oder Anträgen zu erläutern, auch klärt sie den jeweiligen Bedarf, bietet ortsspezifische Projekte wie z.B. über Mietrechte und Mietpflichten an. „Die Grundfrage lautet immer, was braucht wer? Kommunikation ist gerade in unserem Bereich wichtig, auch mit anderen Stellen, denn nur so funktioniert Integration vor Ort wirklich und auf Dauer“, betont Frau Szilagyi. Teamkollegin Roya Aghdassi ist ebenfalls seit vielen Jahren eine engagierte Ehrenamtliche. Die frühere Geschäftsfrau aus Ingolstadt ist gebürtige Perserin und besitzt gute afghanische Sprachkenntnisse. „Ich konnte doch nicht einfach dasitzen, wenn Leute hier in Deutschland nicht zurechtkommen“, so Frau Aghdassi. Per Zufall kam sie mit der Caritas Eichstätt in Kontakt und war schließlich drei Jahre lang in Eichstätt und Ingolstadt ehrenamtlich engagiert, „was einem Vollzeitjob gleichkam“. Sie hat nicht nur für Erwachsene übersetzt, sondern auch mit Kindern gebastelt, als spätere Kümmerin kamen ihr ebenfalls ihre Sprachkenntnisse zugute: So spricht sie neben Dari und Farsi auch etwas Arabisch. Aktuell konzipiert sie einige Projekte in Gemeinden, die vom gemeinsamen Integrationsabend bis hin zu regelmäßigen Treffen z.B. im Rahmen eines bestehenden Bürgercafes reichen – „wir als Integrationskoordinatorinnen können bei laufenden Projekten Unterstützung anbieten, auch sprechen wir in Unterkünften gezielt Familien auf bestimmte Themen an, die ihnen bei der Integration weiterhelfen könnten“, so Frau Aghdassi. Im Angebot hat sie auch mehrsprachige Broschüren. „Unsere Angebote sind offen für alle Interessierten, nicht speziell auf Asyl angelegt. Der Handlungsbedarf ist da, deshalb sind wir im Landratsamt offen für Kooperationsprojekte und Ideen, die von Akteuren vor Ort an uns herangetragen werden“, betont Roya Aghdassi. Als Resümee wünschen sich alle Verantwortlichen der Integrationsarbeit eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern und sichern auch den Ehrenamtlichen vor Ort zu, deren bürgerschaftliches Engagement bestmöglich zu fördern.

 

Den Bereich Asyl und Integration unterstützt seit kurzem übrigens Beate Lechermann als neue Fachbereichsleiterin Asyl und Integration. Zuvor war sie im Landratsamt schwerpunktmäßig für das Asylbewerberleistungsgesetz zuständig.                                                                                               

 

 

Freuen sich über ein gelungenes Modellprojekt, das in der Landkreisarbeit nun fest verankert ist: (v. li.) Sachgebietsleiter Frank Schneider, Fachbereichsleiterin Beate Lechermann, Integrationskoordinatorinnen Roya Aghdassi und Melani Szilagyi, Abteilungsleiterin Diana Gehrhardt und Teamleiter Slaven Boban.                                                                                              

 

Foto: Preis

 

Die neue Fachbereichsleiterin Asyl und Integration: Beate Lechermann.

                                                                                                                                             Foto: Preis

 

 

Kategorien: Presse