Neuer Pflegestützpunkt in Eichstätt nimmt seine Arbeit auf

Zentrale Anlaufstelle für Fragen in Sachen Pflege

Kostenlose und neutrale Beratungsmöglichkeit mit zentralem Standort

Von Petra Preis

Es war ein entscheidender Tag, dieser 18. Februar 2021: Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Eichstätts Landrat Alexander Anetsberger, der AOK-Direktor für Ingolstadt, Ulrich Resch, sowie der Vorstand der Audi-BKK, Gerhard Fuchs, haben mit der Unterzeichnung des erforderlichen Stützpunktvertrages die Weichen für die Gründung eines gemeinsamen Pflegestützpunktes im Landkreis Eichstätt gestellt. Nach der Unterzeichnung ging der Vertrag an die weiteren beteiligten Kranken- und Pflegekassen zur Unterschrift - und zum 1. April startet der Pflegestützpunkt mit seiner Arbeit.

Den formalen Beschluss für den Pflegestützpunkt in Kooperation mit dem Bezirk Oberbayern und den Kassen haben der Sozialausschuss und Kreistag des Landkreises Eichstätt bereits im Herbst 2020 gefasst, anschließend ging es an die Verhandlungen u.a. des Betriebskonzeptes. Nun betreibt der Landkreis den Pflegestützpunkt im Angestelltenmodell.  Er tritt damit als alleiniger Anstellungsträger für das dortige Personal auf. Kosten für den Pflegestützpunkt übernehmen zu zwei Dritteln die Pflege- und Krankenkassen; das verbleibende Drittel teilt sich jeweils zur Hälfte Landkreis und Bezirk. Organisatorisch ist der Pflegestützpunkt im Landratsamt dem Sachgebiet 37 – Demografie und Betreuung - zugeordnet, die Leitung des Pflegestützpunktes hat Carmen Albrecht inne, die seit Jahren im Landratsamt als Fachstelle für Seniorenarbeit und Bedarfsplanung fungiert. Räumlich zu finden ist die neue Anlaufstelle gut erreichbar in der Gemmingenstraße 4 in Eichstätt. Darüber hinaus werden Beratungszeiten nach vorheriger Terminabsprache im Dienstleistungszentrum des Landratsamtes Eichstätt in der Bahnhofstraße 16 in Lenting angeboten.

„Der Pflegestützpunkt trägt zur Vernetzung der Strukturen für hilfesuchende Menschen bei, wobei möglichst viele medizinische, pflegerische, soziale und hauswirtschaftliche Angebote berücksichtigt werden“, erläutert Sozialpädagogin Carmen Albrecht. Dass der Bedarf an Orientierung, Beratung und Hilfe groß ist, das wissen Albrecht und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachgebietes Demografie und Betreuung im Landratsamt aus langjähriger Erfahrung: „Ein fast typisches Beispiel ist der Fall von Frau A., die sich bereits vor der offiziellen Eröffnung des Pflegestützpunktes bei uns gemeldet hat. Sie macht sich zunehmend Sorgen um die 83-jährige Mutter, die in Eichstätt lebt, aber immer schwerer alleine zu Hause zurechtkommt“, so Albrecht. Frau A., die in Hamburg lebt, bittet den Pflegestützpunkt um Hilfe, da sie befürchtet, dass die Lebenssituation der Eltern daheim nicht mehr lange aufrecht zu erhalten ist. Der 83-jährige Vater pflegt seine kränkelnde Ehefrau rührend und nach Kräften, obwohl diese nach einem häuslichen Sturz und einem darauffolgenden Krankenhausaufenthalt zunehmend unsicherer im Alltag ist und zwischenzeitlich   Unterstützung beim Anziehen, Waschen, Duschen, bei der Kleidungswahl, beim Kochen und Einkaufen benötigt. Auch könne sie sich ihren Alltag nicht mehr strukturieren und wisse sich vermehrt tagsüber nicht mehr zu beschäftigen. „Eine beginnende demenzielle Erkrankung wurde diagnostiziert. Zudem leidet die Seniorin schon seit längerem an Schwindelattacken, welche die Bewältigung des Alltags zusätzlich stark erschweren“, berichtet Carmen Albrecht. Der noch rüstige Ehemann ist zunehmend mit der Situation, speziell mit hauswirtschaftlichen und grundpflegerischen Bedarfen seiner Ehefrau, überfordert. Die Mitarbeiter des Pflegestützpunktes haben ein gemeinsames Gespräch mit allen Beteiligten vereinbart: „Die Eltern von Frau A. formulierten den Wunsch, so lange wie mögliche zu Hause leben zu wollen. Schwierigkeiten im Alltag wurden durch den Pflegeberater erfragt und aufgedeckt. Die verschiedenen Möglichkeiten einer ambulanten Versorgung wurden aufgezeigt und besprochen“, formuliert Pflegestützpunkt-Mitarbeiter Florian Hopfenbeck. Von der Beantragung eines Pflegegrades über die Organisation eines Pflegedienstes zur Grundpflege und zum Duschen sowie einer Haushaltshilfe über den sogenannten Entlastungsbetrag konnte dem Ehepaar auch eine ehrenamtliche Helferin zur regelmäßigen stundenweisen Entlastung des betreuenden Ehemannes vermittelt werden. „Auch haben wir mitgeholfen, Pflegehilfsmittel zur organisieren und auf Möglichkeiten einer Verhinderungs- und Tagespflege hingewiesen“, so Carmen Albrecht.

Einen weiteren beispielhaften Fall erzählt Florian Hopfenbeck, der einen 52-jährigen Eichstätter betreut, der seine heute 49-jährige Ehefrau pflegt: „Bei der Dame wurde vor über 20 Jahren Multiple Sklerose diagnostiziert. Bei unserem Gespräch wirkte der Ehemann der Patientin äußerst niedergeschlagen, da die Erkrankung der Ehefrau immer weiter voranschreitet.“ In den ersten Phasen der Erkrankung waren die beschwerdefreien Intervalle der Frau sehr lange und die auftretenden Symptome, wie z.B. Kribbeln und Taubheitsgefühle, eher leichterer Natur. Inzwischen ist die Erkrankung jedoch so ausgeprägt, dass die 49-jährige auf einen Rollstuhl und umfassende grundpflegerische Hilfe angewiesen ist. Kognitiv bestünden kaum Einschränkungen. Die Kommunikation ist durch die krankheitsbedingt verwaschene Sprache stark erschwert. Herr Z. bittet den Pflegestützpunkt um Hilfe. Er wisse nicht mehr weiter. Er habe keine Ahnung wie er die Betreuung seiner Ehefrau und seine Berufstätigkeit in Vollzeit weiter unter einen Hut bringen soll. Bisher war seine Frau tagsüber mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes und Essen auf Rädern weitestgehend selbständig. „Leider habe sich jedoch ihr Zustand in den letzten Wochen so verschlechtert, dass eine Betreuung rund um die Uhr erforderlich ist. Auch ist die Prognose der behandelnden Ärzte schlecht, aber der Ehemann möchte seine Frau keinesfalls in eine vollstationäre Versorgung geben, sondern ihr ein Leben daheim ermöglichen“, so Hopfenbeck.  Eine Betreuung durch eine 24-Stunden-Pflegekraft scheitert jedoch an den beengten Wohnverhältnissen des Ehepaares. Die Mitarbeiter des Pflegestützpunktes haben u.a. Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten besprochen wie z.B. Tagespflege (mit Fahrdienst) während der Arbeitszeit des Ehemanns, medizinische Rehabilitation, „Pflegeunterstützungsgeld“, „Pflegezeit“ und „Familienpflegezeit“ (https://www.wege-zur-pflege.de/familienpflegezeit). In allen Fragen rund um Vollmachten wurde auf die ebenfalls in der Gemmingenstrasse 4 untergebrachte Betreuungsstelle verwiesen und einen Kontakt zum Hospizverein vermittelt.

„Die Bürgerinnen und Bürger erhalten beim Pflegestützpunkt künftig eine wohnortnahe, neutrale und unabhängige Beratung aus einer Hand. Die Informationsangebote orientieren sich am Bedarf der ratsuchenden Menschen, und das gerne“, erläuterte Bezirkstagspräsident Josef Mederer bereits bei der Vertragsunterzeichnung. Der Bezirk beteilige sich gerne finanziell und ergänzend mit einer Vor-Ort-Beratung zu seinen Leistungen in der Hilfe zur Pflege und der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Und auch Eichstätts Landrat Alexander Anetsberger erklärte: „Für mich hat das Thema Pflege eine große Bedeutung. Die Vielzahl der verschiedenen Beratungsangebote im Landkreis Eichstätt zu vernetzen sowie bestehende Ressourcen zu nutzen und zugänglich zu machen, ist unsere Aufgabe“. Im Stützpunkt werden dazu alle Angebote zusammengeführt, um eine unabhängige und individuelle Beratung zu gewährleisten. „Die Vernetzung ist ein deutlicher Gewinn für alle Akteure im Bereich der Pflege und vor allem für die Menschen vor Ort,“ fasst auch Gerhard Fuchs, Vorstandsvorsitzende der Audi BKK, für alle Akteure dieses neuen Angebotes zusammen.

Der Bezirk Oberbayern wird sich übrigens ab dem 5. Mai mit einer Beratung vor Ort einbringen. Bei dem wöchentlichen Sprechtag können sich die Bürgerinnen und Bürger wohnortnah insbesondere zur Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen und zur Hilfe zur Pflege beraten lassen. Zuständig hierfür ist Gudrun Pickhardt, Termine und Fragen können unter 089219821058 oder per mail an beratung-ei@bezirk-oberbayern.de gestellt werden.

Die Öffnungszeiten des Pflegestützpunktes sind Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie Donnerstag von 14 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung. Weitere Kontaktdaten des Pflegestützpunktes sind die Tel.nr. 08421/70-560 und die Mailadresse pflegestuetzpunkt@lra-ei.bayern.de.

Fotos: Preis

Die Leiterin des Pflegestützpunktes Carmen Albrecht in einer Beratungssituation

Pflegestützpunkt Infomaterial

In der "guten Stube des Landratsamtes Eichstätt", nämlich dem Spiegelsaal der ehemals Fürstbischöflichen Residenz, unterzeichneten Bezirkstagspräsident Mederer und Landrat Anetsberger (vordere Reihe) sowie Gerhard Fuchs, Vorstandsvorsitzender der Audi-BKK, und Ulrich Resch, Direktor der AOK Ingolstadt, Mitte Februar den Vertrag für die Errichtung des Pflegestützpunktes Eichstätt.