Fakten und Hintergründe zu häufig gestellten Fragen
Hilfreiches aus dem Fachbereich
Gibt es ein Unterstützungsangebot seitens des Landkreises für die Anschaffung von Photovoltaik und Heimspeicher?
Für die Bürgerinnen und Bürger bietet der Landkreis Eichstätt das kostenlose Tool des Solarpotentialkatasters an. Hier können Sie ihr Wohngebäude auswählen und eine Konfiguration über Auslegung, Kosten und Wirtschaftlichkeit erstellen. Bitte beachten Sie dabei, dass es sich um eine Simulation handelt und dies keine Fachplanung ersetzt. Sie finden das „Solarpotentialkataster Landkreis Eichstätt“ unter https://www.solare-stadt.de/landkreis-eichstaett/ . Ein eigenes Förderprogramm des Landkreises zur finanziellen Bezuschussung von PV und Heimspeicher gibt es nicht.
Ich möchte in meinem Alltag nachhaltiger werden. Welche Informationsmaterialien gibt es hier seitens des Landkreises?
Seitens des Fachbereiches Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Grünplanung gibt es illustrierte Infoflyer zu den verschiedensten Nachhaltigkeitsthemen. Darunter finden sich die Themen Nachhaltiges Büromaterial, Nachhaltiger Schulstart, Nachhaltige Veranstaltungen, Nachhaltiges Heizen mit Holz, Energiespartipps für Büro und HomeOffice und Nachhaltigkeit im Badezimmer.
Fakten und Hintergründe zum Klimawandel
Wie hängen Wetter und Klima zusammen?
Der Sommer 2025 zeigte sich beispielsweise im Juli vergleichsweise trüb, auch ein ausgeprägt sonniger Oktober blieb vielerorts aus. Im Spätherbst traten zudem markante Kältephasen auf. Solche einzelnen Wetterabschnitte prägen unser Empfinden – die Jahresbilanz des Deutschen Wetterdienstes zeigt jedoch: Der Gesamteindruck eines Jahres ergibt sich erst aus der langfristigen Einordnung.
Die vorläufige Wetterbilanz 2025 zeigt für Bayern erneut klare Abweichungen vom langjährigen Klimamittel. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD), veröffentlicht über das Klimainformationssystem Bayern, lag die Jahresmitteltemperatur rund 1,9 °C über dem Referenzwert 1961–1990. Gleichzeitig gab es überdurchschnittlich viele Sonnenstunden bei unterdurchschnittlichem Niederschlag. Das Frühjahr war ungewöhnlich trocken (zweitniederschlagsärmstes Frühjahr der Klimastatistik), der Juni ging sogar als drittwärmster seit Beginn der Aufzeichnungen in die Statistik ein.
Oft täuscht unser persönliches Empfinden: Ein milder Winter oder ein heißer Sommer erscheint „normal“, obwohl die langfristigen Daten eindeutige Trends zeigen. Hinzu kommt der Gewöhnungseffekt – extreme Wetterereignisse wirken weniger dramatisch, wenn sie häufiger auftreten.
Die Warming Stripes der Universität Reading visualisieren diese Entwicklungen eindrücklich: Jedes Jahr wird farblich nach seiner Abweichung von historischen Mittelwerten dargestellt – die zunehmende Rotfärbung zeigt deutlich, dass warme Jahre immer häufiger werden. Solche Jahresbilanzen helfen, Einzelereignisse in den Kontext langfristiger Klimatrends einzuordnen.
Fakten und Hintergründe zu Erneuerbaren Energien
Worin unterscheiden sich Photovoltaik und Solarthermie?
Mithilfe einer Photovoltaikanlage erzeugen Sie Strom aus Sonnenlicht. Eine Solarthermieanlage dient dazu, mit Hilfe der Sonne Warmwasser und Heizwärme zu erzeugen.
Mein Haus ist denkmalgeschützt. Kann ich mein Solarpotenzial trotzdem nutzen?
Auf Denkmälern ist eine denkmalpflegerische Erlaubnis zur Errichtung einer Solaranlage notwendig. Daher sollten Sie sich, bevor Sie in eine Planung einsteigen, als erstes bei der Unteren Denkmalschutzbehörde informieren. Genauere Informationen zu Denkmälern in ihrer Region finden Sie unter https://geoportal.bayern.de/denkmalatlas/
Verlieren wir durch Freiflächen-PV auf Feldern wichtige Flächen?
Der Bau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV-FFA) beansprucht Flächen, doch der tatsächliche Verbrauch ist im bundesweiten Kontext gering: Bis Ende 2024 wurden rund 45.200 Hektar für PV-FFA genutzt, was nur etwa 0,27 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland ausmacht. Zum Vergleich: Die Flächen, die in Deutschland durch Siedlungs- und Verkehrsflächen (Wohngebiete, Straßen, Gewerbegebiete) dauerhaft versiegelt sind, machen einen wesentlich größeren Anteil von rund 14 % der gesamten Landesfläche aus.
Die Standortwahl fokussiert sich dabei auf vorbelastete Flächen wie Deponien oder Korridore entlang von Autobahnen und Schienenwegen und Flächen mit niedrigen Bodenrichtwerten, um Naturräume oder wertvolle Ackerflächen zu schonen.
Ein innovativer Ansatz, der die Flächenkonkurrenz entschärft, ist die Agri-Photovoltaik (Agri-PV). Bei diesem System werden Solarmodule so über landwirtschaftlichen Flächen installiert, dass die darunterliegenden Bereiche weiterhin für den Anbau von Kulturen (wie Beerenobst oder Gemüse) oder für Tierhaltung genutzt werden können. Dies ermöglicht eine Doppelnutzung der Flächen und kann gleichzeitig Synergieeffekte bieten, indem die Solarmodule die Pflanzen vor Witterungsextremen wie Starkregen, Hagel oder intensiver Sonnenbestrahlung schützen.
Quellen: Anfrage aus dem Bundestag - Flächeninanspruchnahme; Flächensparoffensive - Flächenstatistik; VDI Landwirtschaft und Solar
Sind PV Module recycelbar?
Photovoltaik-Module (PV-Module) sind recyclingfähig, da sie hauptsächlich aus Wertstoffen wie Glas (ca. 75 %), Aluminium (ca. 10 %), Kunststoffen und Silizium bestehen. In Deutschland unterliegen sie dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) als Elektroaltgeräte, nicht als Sondermüll, wobei Hersteller zur Rücknahme und Finanzierung des Recyclings verpflichtet sind und Recyclingquoten von bis zu 95 % für Silizium-Module erreicht werden, um die EU-Vorgaben von 80 % zu erfüllen. Die Hauptproblematik liegt derzeit in der Logistik und der korrekten Sammlung ausgedienter Module, da die meisten Anlagen noch im Einsatz sind.
Quellen: Fraunhofer Institut; Elektro- und Elektronikgerätegesetz
Gibt es in Bayern eine Pflicht für Photovoltaik Anlagen auf Neubauten?
Die aktuelle bayerische Gesetzgebung zur Photovoltaik-Pflicht differenziert deutlich zwischen verschiedenen Gebäudetypen und setzt dabei auf eine abgestufte Verbindlichkeit. Gemäß Art. 44a der Bayerischen Bauordnung (BayBO) gilt für Wohngebäude, deren Bauanträge seit dem 1. Januar 2025 eingereicht wurden, eine sogenannte „Soll-Bestimmung“. Dies bedeutet im juristischen Sinne, dass die Installation einer PV-Anlage im Regelfall verpflichtend ist und nur in begründeten Ausnahmefällen – etwa bei technischer Unmöglichkeit oder wirtschaftlicher Unverhältnismäßigkeit – davon abgewichen werden darf. Ziel ist dabei eine angemessene Auslegung, bei der ein wesentlicher Teil der Dachfläche zur Eigenbedarfsdeckung und Netzeinspeisung genutzt wird.
Wesentlich strenger sind die Vorgaben für Nichtwohngebäude wie Gewerbehallen oder Bürokomplexe: Hier ist die Installation nach Art. 44a BayBO bereits seit Anfang 2023 für Neubauten und seit Mitte 2024 auch für grundlegende Dachumbauten zwingend vorgeschrieben. Unabhängig von diesen landesweiten Regelungen besitzen die Kommunen jedoch einen entscheidenden Handlungsspielraum. Über lokale Bebauungspläne oder städtebauliche Verträge können Gemeinden eine strikte PV-Pflicht für Wohngebäude vorschreiben und damit die allgemeine bayerische „Soll-Vorschrift“ auf lokaler Ebene in eine verbindliche Pflicht umwandeln.
Quelle: Art.44a Bayerische Bauordnung
Welche Hintergründe haben die derzeit diskutierten Flächenplanungen für Windenergie?
Die Bundesgesetzgebung (Windenergieflächenbedarfsgesetz) verpflichtet Bayern in Summe 1,8 % der Landesfläche für Windkraft auszuweisen. In windreicheren Regionen Deutschlands sind es teilweise auch über 2 %. Die Festlegung der Flächen erfolgt in Bayern über die Regionalplanung. Die 18 bayerischen Planungsverbände müssen nun verbindliche Teilflächenziele aus dem bayerischen Landesplanungsgesetz (BayLplG) in ihren Regionalplänen umsetzen. Dabei werden die Belange des Naturschutzes, des Denkmalschutzes sowie die Anforderungen von Wasserschutzgebieten bei der Ausweisung der Flächen vollumfänglich berücksichtigt.
Näheres zum für den Landkreis Eichstätt verantwortlichen Planungsverband der Region 10 finden Sie unter https://www.region-ingolstadt.bayern.de
Quellen: Windenergieflächenbedarfsgesetz, Raumordnung und Regionalplanung
Was genau sind "Windvorrangflächen" oder "Vorranggebiete"?
Windvorrangflächen (oder Vorranggebiete für Windkraft) sind speziell ausgewiesene Bereiche in der Regionalplanung. In diesen Gebieten hat die Nutzung der Windenergie Vorrang vor anderen Nutzungen. Diese Flächen sollen Planungssicherheit für Investoren und Kommunen schaffen.
Sind Windkraftanlagen eine Gefahr für Vögel und Fledermäuse?
Der Schutz von Vögeln und Fledermäusen spielt bei der Planung von Windparks eine zentrale Rolle, um das bekannte Problem der Kollisionen zu minimieren. Besonders von Windkraftanlagen betroffene Arten Arten stehen hier im Fokus. Um dies zu verhindern, erfolgt die Standortwahl äußerst selektiv auf Basis umfangreicher Gutachten, wobei wichtige Brutgebiete und Hauptzugrouten konsequent gemieden werden. Ergänzend dazu kommen intelligente Technologien zum Einsatz, die Windräder bei der Ortung von Fledermäusen oder kritischen Wetterbedingungen für den Vogelzug automatisch abschalten.
Quellen: Naturschutzbund - Vogelschutz; Bundesamt für Naturschutz - Fledermäuse
Wird man durch den Schatten eines Windrades nicht gestört?
In Deutschland ist der störende „Schlagschatten“ durch klare gesetzliche Vorgaben (BImSchG) streng limitiert. Um Anwohner zu schützen, kommen drei Maßnahmen zum Einsatz:
- Gesetzliche Grenzwerte: Die tägliche und jährliche Schattendauer auf Wohnhäuser ist strikt begrenzt.
- Präventive Planung: Bereits vor dem Bau stellen Gutachten sicher, dass die Standorte so gewählt werden, dass Belastungen minimiert werden.
- Intelligente Abschaltung: Moderne Anlagen verfügen über eine GPS-Steuerung, die bei entsprechendem Sonnenstand die Rotoren automatisch stoppt, sobald die zulässigen Grenzwerte erreicht werden.
Fakten und Hintergründe zu Energienetzen
Warum ist durch erneuerbare Energien ein Netzausbau notwendig und welche Maßnahmen werden hierzu ergriffen?
Die Umstellung auf dezentrale und schwankende erneuerbare Energien erhöht die Anforderungen an die Stromnetze. Um Versorgungssicherheit zu garantieren, wird die Infrastruktur durch einen Mix aus Netzausbau, Digitalisierung (Smart Grids), Speichersystemen und intelligenter Verbrauchssteuerung (Flexibilisierung) modernisiert.
Sind gesundheitliche Gefahren durch Stromleitungen zu befürchten?
Nein, bei Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte sind keine gesundheitlichen Gefahren zu befürchten. Stromleitungen erzeugen elektrische und magnetische Felder (EMF), deren Stärke in Deutschland durch die 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) streng begrenzt wird. Studien des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) bestätigen, dass die Belastung im Alltag unterhalb dieser Grenzwerte liegt. Zur Einordnung: Im Gegensatz zu Smartphones oder Funkmasten, die mit hochfrequenter Strahlung zur Datenübertragung arbeiten, nutzt das Stromnetz die Niederfrequenz (50 Hertz). Während Mobiltelefone aufgrund der direkten Nähe zum Körper oft eine höhere lokale Exposition verursachen, nimmt die Feldstärke von Stromleitungen mit zunehmender Entfernung sehr schnell ab.
Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz
Wie kann ich im eigenen Haushalt das Stromnetz entlasten?
Jeder Haushalt kann zur Netzstabilität beitragen:
Nutzung von Großgeräten verlagern: Nutzen Sie Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine in Zeiten hoher Erneuerbarer-Energien-Erzeugung (mittags bei Sonne) oder in der Nacht.
Intelligentes Laden: Programmieren Sie Ihr E-Auto oder die Wärmepumpe auf lastarme Zeiten (idealerweise über dynamische Stromtarife).
Eigenverbrauch maximieren: Nutzen Sie Solarstrom direkt vom eigenen Dach oder aus dem Speicher, statt ihn bei Netzüberlastung einzuspeisen.
Gleichzeitigkeit vermeiden: Schalten Sie leistungsstarke Geräte nacheinander statt parallel ein, um lokale Lastspitzen zu glätten.
Was muss ich über den Austausch der Stromzähler wissen?
Bis 2032 werden in Deutschland alle alten Stromzähler gegen digitale Technik getauscht. Dabei wird zwischen dem einfachen digitalen Zähler (mME) ohne Internet und dem vernetzten intelligenten Messsystem (iMSys) unterschieden. Letzteres sendet Daten automatisch und ist auch Voraussetzung für dynamische Stromtarife. Seit Januar 2025 ist der Einbau der intelligenten Zähler für Haushalte mit über 6.000 kWh Verbrauch, PV-Anlagen ab 7 kWp oder steuerbaren Geräten wie Wärmepumpen und Wallboxen verpflichtend. Alle anderen Haushalte können den Einbau freiwillig fordern, wobei die Kosten durch das Messstellenbetriebsgesetz gesetzlich gedeckelt sind.
Quelle: DENA – Smart Meter im Fokus; Bundesnetzagentur – Messeinrichtungen
Sind Stromnetzbetreiber nicht an einem großflächigen Stromnetzausbau interessiert, um mehr Geld zu verdienen?
Netzbetreiber sind in der Regel privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen (wie z. B. TenneT oder 50 Hertz) und agieren daher gewinnorientiert. Da Stromnetze jedoch ein natürliches Monopol darstellen – es macht keinen Sinn, zwei konkurrierende Stromkabel zur selben Haustür zu legen –, können sie ihre Preise nicht frei wählen.
Um unnötige Investitionen zu verhindern, gibt es in Deutschland strikte Kontrollmechanismen der Bundesnetzagentur:
- Bedarfsprüfung: Netzbetreiber dürfen nicht einfach bauen, was sie wollen. Jedes größere Projekt muss im Netzentwicklungsplan begründet und von der Behörde genehmigt werden. Nur notwendige Investitionen werden für die Verzinsung anerkannt.
- Das NOVA-Prinzip: Bevor neu gebaut werden darf, müssen Betreiber nachweisen, dass sie bestehende Netze optimiert oder verstärkt haben (Netz-Optimierung vor Verstärkung vor Ausbau).
- Erlösobergrenzen: Die Behörde legt fest, wie viel Geld ein Betreiber insgesamt über die Netzentgelte einnehmen darf. Werden die Kosten durch massiven Ausbau zu hoch, ohne dass ein entsprechender Nutzen (z. B. Integration erneuerbarer Energien) nachgewiesen wird, sinkt die Rentabilität.
- Effizienzvergleich: Die Bundesnetzagentur vergleicht die Kosten aller Netzbetreiber. Wer ineffizienter baut oder höhere Kosten pro Kilometer Leitung hat als der Durchschnitt, erhält geringere Renditen.
Quellen: Anreizregulierung Bundesnetzagentur, Tennet - Netzoptimierung
Fakten und Hintergründe zur nachhaltigen Wärmeversorgung
Welchen Effekt hat eine Gebäudesanierung?
Eine energetische Sanierung senkt die Heizkosten, erhöht Wohnkomfort und Behaglichkeit durch gleichmäßige Temperaturen und weniger Zugluft, steigert den Immobilienwert und reduziert CO₂-Emissionen. Für Sanierungsmaßnahmen können Hausbesitzer staatliche Förderungen für die Maßnahmen nutzen. Informationen zu Förderprogrammen erhalten Sie in der Förderfibel des Bayerischen Landesamt für Umwelt
Was ist die kommunale Wärmeplanung? Welchen Zweck erfüllt sie und welchen Nutzen haben Kommune und Bürger davon?
Die kommunale Wärmeplanung ist ein strategisches Instrument, bei dem jede Gemeinde oder Stadt analysiert, wie die Wärmeversorgung auf ihrem Gebiet klimaneutral gestaltet werden kann. Grundlage ist das Wärmeplanungsgesetz (WPG), sowie die Verordnung zur Ausführung energiewirtschaftlicher Vorschriften (AVEn, Teil 3; 18. Dezember 2024) des Freistaates Bayern. Darin geregelt ist die Verpflichtung für bayerische Kommunen, eine kommunale Wärmeplanung für ihr jeweiliges Gemeindegebiet durchzuführen.
Durchgeführt wird die Planung meist durch externe Fachplaner oder Energieagenturen im Auftrag der Kommune.
Die kommunale Wärmeplanung dient dazu, die zukünftige Wärmeversorgung einer Kommune strategisch, klimafreundlich und wirtschaftlich auszurichten. Es wird ermittelt, wie der aktuelle Wärmebedarf aussieht, welche erneuerbaren Energiequellen und Infrastrukturen vor Ort genutzt werden können und welche Versorgungsformen – etwa Wärmenetze oder dezentrale Lösungen – in welchen Gebieten sinnvoll sind.
Die kommunale Wärmeplanung hilft Bürgerinnen und Bürgern, indem sie Planungssicherheit und Orientierung bietet. Sie zeigt auf, welche Energieträger in Zukunft genutzt werden, wo Wärmenetze entstehen könnten und welche Fördermöglichkeiten bestehen. So können Sie bei der Wahl Ihrer Heizung, bei Gebäudesanierungen oder Neubauten fundierte Entscheidungen treffen, Kosten sparen und gleichzeitig aktiv zum Klimaschutz beitragen.
Ist Heizen mit Holz klimaneutral?
Das Heizen mit Holz gilt in der Energiebilanz oft als CO₂-neutral, da beim Verbrennen nur so viel CO₂ freigesetzt wird, wie der Baum während seines Wachstums aufgenommen hat. Die Nachhaltigkeit hängt jedoch stark von der Herkunft des Holzes und der Effizienz der Anlage ab. Wichtig ist, nur zertifizierte Brennstoffe (z.B. ENplus A1 Pellets, FSC Siegel) aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu verwenden, um die Umweltbilanz positiv zu halten.
Wie finde ich einen qualifizierten Energieberater, der mir bei der Umstellung hilft?
Die zentrale Anlaufstelle in Deutschland ist die Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes. Dort können Sie nach Postleitzahl und Fachgebiet (z.B. "Wärme" oder "Gebäude") suchen. Die Liste finden Sie unter https://www.energie-effizienz-experten.de
Dort finden Sie unter anderem Informationen, für welche Förderbereiche der Energieberater zugelassen ist (z.B. für die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ,Wohngebäude oder Nichtwohngebäude, individueller Sanierungsfahrplan).
Wann lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau, und wann ist sie ungeeignet?
Eine Wärmepumpe kann sich im Altbau lohnen.
Die Effizienz einer Wärmepumpe ist insbesondere abhängig vom verfügbaren Temperaturniveau der Wärmequelle, sowie von der Vorlauftemperatur des Heizkreises im Gebäude.
Je höher die Temperatur der Wärmequelle (z.B. Außenluft, Erdreich, Grundwasser, …), desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe.
Je niedriger die Vorlauftemperatur im Heizkreis, desto effizienter ist das Wärmepumpensystem.
Das ist oft der Fall, wenn das Haus bereits gut gedämmt ist bzw. eine Flächenheizung (z.B. Fußbodenheizung, oder alternativ große niedertemperaturgeeignete Heizkörper) vorhanden ist.
Sind diese Faktoren bei Ihrem Gebäude nicht gegeben, können weitere, teils aufwändige und kostenintensive Sanierungsmaßnahmen am Gebäude erforderlich sein. Nutzen Sie frühzeitig eine individuelle Energieberatung, um diese Fragen zu klären.
Fakten, Hintergründe und Mythen zur Elektromobilität
Brennen Elektroautos öfter als Verbrenner?
Brände an Elektroautos sorgen für Verunsicherung, da sich durch Kettenreaktionen in den Batteriezellen teils schwer kontrollierbare Brandereignissen entwickeln. Hier ist insbesondere die Dynamik bei Beteiligung der Batterie am Brandereignis das Hauptproblem. Darauf müssen sich Feuerwehren, sowie auch Abschleppdienste und Entsorgungsfirmen mit spezieller Ausstattung, Brandbekämpfungsstrategien und Knowhow einstellen (z.B. Löschcontainer, spezielle Löschmittel wie Blähglasgranulat, ...).
Doch auch bei Verbrenner-Fahrzeugen entwickeln sich immer wieder Brände z.B. nach Unfällen oder technischen Defekten.
Aktuelle Untersuchungen veröffentlicht vom GDV (Gesamtverband der Versicherer) ergeben: Statistisch brennen Elektroautos nicht häufiger als Verbrenner! Es gibt keine Hinweise auf ein höheres Brandrisiko.
Allgemein sei erwähnt, dass für alternativ angetriebene Fahrzeuge dieselben Zulassungskriterien gelten wie für Verbrennerfahrzeuge. Insgesamt sind in Deutschland und Europa zugelassene Fahrzeuge als sicher anzusehen.
Wie viel Reichweite bräuchten unsere Autos tatsächlich?
Neben dem Preis ist die Reichweite ein weiterer, wichtiger Faktor bei der Entscheidung von Käufer*innen. Viele Käufer orientieren sich dabei an Reichweiten von fossil betriebenen Fahrzeugen mit Reichweiten von 500 – 800 km und setzen diese auch für E-Autos voraus.
Die nutzbare Kapazität in kWh bedingt die Reichweite von Elektrofahrzeugen unter folgenden Einflussfaktoren:
- Temperatur: Insbesondere bei kalten Außentemperaturen und bedingt durch erforderliche Zusatzverbraucher, wie der Heizung, sinkt die Reichweite in den Wintermonaten im Vergleich zum Sommer.
- Alterung: Mit dem Alter einer Batterie sinkt die ursprüngliche Kapazität
- Stromstärke: Bei schnellen Fahrten, z.B. bei Autobahnfahrten, oder dauerhaftem starken Beschleunigen sinkt die Nettokapazität
- Fahrverhalten und Nebenverbraucher im Allgemeinen
Im Alltagsverkehr liegt der Mittelwert aller Wegstrecken bei 15,8 km (Median aus Stadt und Land, inkl. seltene Langstrecken, wie Urlaubsfahrt). Bei Durchschnittlich 3,1 Strecken pro Tag ergibt sich eine durchschnittliche Tagesfahrleistung von 39 km. Für den täglichen Alltag würden somit 200 km Reichweite oder 12 kWh Batteriekapazität ausreichen, um die notwendigen Fahrtstrecken zurückzulegen.
Natürlich ist die individuell erforderliche Batteriekapazität abhängig vom jeweiligen Nutzungsverhalten und persönlichen Anforderungen (z.B. Entfernung zur Arbeitsstelle, Außendiensttätigkeit, etc.), die die erforderliche Kapazität entsprechend erhöhen können. Für Langstreckenfahrten ist Nachladen erforderlich bzw. der Umstieg auf Car-Sharing-Fahrzeuge mit größerer Reichweite oder andere Verkehrsmittel (z.B. Bahnverkehr).
Wie lange halten die Batterien von Elektroautos?
Fahrzeugbatterien behalten i. d. R. 70 - 80 % ihrer Kapazität über 8 Jahre (in Europa z.B. 8 Jahre oder 160.000 km Herstellergarantie).
Entwicklungsziele sind für Fahrzeuge typischerweise 10 Jahre.
Nach Ihrer Nutzung im Auto können die Batterien im Second Life noch problemlos anderweitig weitergenutzt werden. Gut geeignet sind sie durch Ihre hohe Reaktionsfähigkeit beispielsweise als netzintegrierte Pufferspeicher an Schnellladepunkten oder zum Peak-Shaving (Lastspitzenabdeckung). Die Lebensdauer in zweiter Nutzungsphase liegt bei weiteren 10 Jahren oder mehr.
Gibt es genügend Ladepunkte in Deutschland?
Die Zahl der Ladepunkte wächst mit den Zulassungszahlen. Derzeit gibt es etwa einen Ladepunkt pro E-Auto (Summe aus öffentlichen und privaten Ladepukten). Mit exponentiellem Wachstum der E-Autos muss auch Ladeinfrastruktur proportional ansteigen. Bis 2040 rechnet Eaton mit 23-29 Mio. E-Fahrzeugen, hierfür werden ca. 4 Mio. Lademöglichkeiten benötigt.
Zahlen aus 2024:
- 103.226 Normalladesäulen (für normale / tägliche Strecken)
- 25.291 Schnellladesäulen (nur für Langstrecken erforderlich)
- Zusätzlich existieren schätzungsweise bereits mehrere Hunderttausend nichtöffentliche Ladepunkte (Private Wohnhäuser, Unternehmen, usw.)
Rund 70 % aller Ladevorgänge erfolgen zu Hause oder bei der Arbeitsstelle. Die Fahrzeuge haben Standzeiten von im Schnitt rund 23 h pro Tag, d.h. eine normale 11 kW- Ladesäule reicht für die meisten Ladevorgänge aus.
Die Bundesnetzagenturveröffentlicht die offiziellen Daten zur öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur in Deutschland in einer Ladesäulenkarte. Auch über Apps und Webseiten von Anbietern oder des ADAC finden sich Karten und Informationen zu Standorten.
Woher soll der Strom für die Elektromobilität kommen?
Elektrofahrzeuge verbrauchen aktuell pro Jahr ca. 0,5 % des Gesamtstrombedarfs in Deutschland (Jahresstromverbrauch in D: 520 TWh). Auch bei einer Steigerung auf ca. 10 Mio. Elektrofahrzeuge in 2030 (heute ca. 2,3 Mio. Fahrzeuge) steigt der Bruttostromverbrauch nur um ca. 4-5 %.
Für die Elektromobilität in Deutschland werden Stromimporte von französischen Atomkraftwerken benötigt!
Der Stromimport von französischem Atomstrom (2023) entspricht in etwa 1,1 % des Stromverbrauchs (nur weil es zu diesen Zeiten günstiger war!).
Strom wird schlichtweg zu den Zeiten importiert, in denen der Strompreis in den Nachbarländern niedriger ist und die grenzüberschreitenden Leitungen ausreichend freie Kapazität aufweisen, um diesen nach Deutschland zu leiten. Dadurch können Importe den Strompreis an der Börse zeitweise absenken, wenn günstiger Strom in den Nachbarländern zur Verfügung steht.
Kann durch Erneuerbare Energien die künftige Stromerzeugung sichergestellt werden?
Laut DIW gibt es in Deutschland doppelt so viel Potential wie Bedarf 2050.
Mit dem Potential erneuerbarer Energien inkl. Speichertechnologien kann der Strom sicher erzeugt und der Energiebedarf bis 2050 gedeckt werden. Trotz tendenziell steigendem weltweiten Energiebedarf (durch Bevölkerungswachstum, Transformation zu Elektroantrieben, etc.) reicht die Erzeugung aus Erneuerbaren Energien und Speichern aus, um den Bedarf zu decken.
Was kostet der erforderliche Netzausbau?
Den Netzausbau für 100 % E-Fahrzeuge in ihrem Versorgungsgebiet (Szenario: 6,5 Mio. E-Fahrzeuge im E.ON Netzgebiet) schätzt E.ON mit 1,25 Mrd. € über 25 Jahre ab. Ohne netzdienliches Laden läge die Investition bei geschätzt der doppelten Summe (2,5 Mrd. €). Die aktuelle Investition pro Jahr liegt bei ca. 1 Mrd. €.
Durch netzdienliches Laden könnten Elektrofahrzeuge je nach Ladeleistung die Endkundenpreise um bis zu 4 % senken.
Tatsächlich können Elektrofahrzeuge als steuerbare Verbraucher einen erheblichen Teil dazu beitragen, Netze zu stabilisieren und die gesamtwirtschaftlichen Kosten der Energiewende zu reduzieren.
Können PKW-Batterien recycelt werden?
Die EU fordert Rückgewinnungsquoten für z.B. Lithium, Kobalt, Nickel und Kupfer und legt diese in der EU-Batterieverordnung fest. Moderne Verfahren gewinnen bis zu 96 % des eingesetzten Materials zurück. Effektive Recyclingverfahren tragen künftig auch zu niedrigeren CO2-Emissionen und Kosten neuer Batterien (und E-Fahrzeuge) bei.
Wieviel CO₂-Ausstoß erzeugt die Produktion einer PKW-Batterie?
Die Produktion einer Fahrzeug-Batterie für E-Autos verursacht einen erheblichen CO₂-Ausstoß (ca. 50 - 80 % des Gesamt-CO₂-Ausstoßes eines E-Autos stammen aus der Produktion). Dies liegt vor allem an der Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Nickel sowie an der Energieintensität des Herstellungsprozesses.
Eine 80-kWh-Batterie erzeugt ca. 10 t CO₂ in der Produktion (125 kg CO₂-Äquiv. pro kWh) perspektivisch werden es 75 % weniger durch neue Technologien, Effizienzsteigerung, etc. Aktuell hat sich der CO₂-Ausstoß aus der Produktion einer 80-kWh-Batterie nach durchschnittlich 100.000 km amortisiert.
Verursacht die Gewinnung von Lithium für E-Auto-Batterien das Austrocknen der Atacama-Wüste?
Argentinien und Chile sind die mit Abstand größten Lieferanten von Lithium-Carbonat aus Sole. Hier ist beispielhaft die Atacama-Wüste zu nennen, das als natürliches Verdunstungsbecken zur Lithium-Gewinnung genutzt wird. Der Wasserverbrauch einer Li-Ionen-Fahrzeugbatterie beträgt ca. 6.000 Liter. Nur 8 % des Wasserverbrauchs in der Atacame-Wüste gehen auf die dortige Lithiumgewinnung zurück.
Wie viel Kobalt wird durch Kinderarbeit gewonnen?
Kobalt ist ein wichtiger Bestandteil von Lithium-Ionen-Batterien, wie sie in vielen Elektrofahrzeugen verwendet werden. Rechnerisch stammen nur 0,3 Promille des Kobalts in einer Batterie aus kritischen Minen (artisanaler Kleinbergbau). Hier ist Kinderarbeit leider verbreitet. Staatlich geduldet ist das Inverkehrbringen über Unterhändler an den Weltmarkt.
Die Elektromobilität allein „verursacht“ Kinderarbeit jedoch nicht.
Der Bedarf an Kobalt hat generell in den letzten Jahren zugenommen, nicht nur als Rohstoff für die E-Mobilität. Im Zuge der sozialen Verantwortung sollte auf nachhaltige Beschaffung geachtet werden, z.B. mit Verordnungen und Lieferkettengesetzen, um faire Arbeitsbedingungen und kontrollierten Abbau zu fördern.




