Agri-PV – intelligente Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen
Exkursion an das landwirtschaftliche Staatsgut Grub
Unter dem Titel „Agri-PV – intelligente Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen“ besichtigte eine Gruppe von Bürgern und Landwirten aus dem Landkreis Eichstätt das landwirtschaftliche Versuchszentrum des Staatsguts Grub. Im Rahmen einer Initiative des Fachbereichs Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Grünplanung des Landratsamtes Eichstätt in Kooperation mit dem Bayerischen Bauernverband (BBV) Kreisverband Eichstätt und dem BBV-Bildungswerk erhielten die Teilnehmer spannende Einblicke in die Versuchsanlagen vor Ort.
Die Veranstaltung begann mit einem Fachvortrag zu sogenannten Agri-Photovoltaik-Anlagen (Agri-PV). Diese Technologie ermöglicht es, Acker- oder Wiesenflächen doppelt zu nutzen: Während am Boden weiterhin landwirtschaftliche Erzeugnisse wachsen, wird in der Ebene darüber über spezielle Photovoltaik-Module Strom produziert. Gawan Heintze vom Technologie- und Förderzentrum Bayern (TFZ) erläuterte hierbei die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die erzielbaren Stromerträge. Neben grundlegenden wirtschaftlichen Kennzahlen ging er besonders auf die positiven Synergieeffekte ein, die Agri-PV-Anlagen beispielsweise bei empfindlichen Sonderkulturen durch Schutz vor Hagel oder zu starker Sonneneinstrahlung bieten können.
Im Anschluss beleuchtete Daniel Eisel (ebenfalls TFZ Bayern) die Optionen für den Weiterbetrieb von Bestandsanlagen auf Stalldächern und Maschinenhallen. Viele dieser Photovoltaik-Anlagen wurden im Zeitraum von 2006 bis 2012 errichtet und fallen nach 20 Jahren Laufzeit nun sukzessive aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Eisel verdeutlichte, dass solche Anlagen bei einer weiteren Volleinspeisung nach aktuellem Stand oft nur noch Vergütungen von unter 5 Cent pro Kilowattstunde erwirtschaften. Vor diesem Hintergrund betonte er die finanzielle Attraktivität des Eigenverbrauchs. Eine erhöhte Eigenstromnutzung – etwa durch Batteriespeicher oder elektrisch betriebene Fahrzeuge – bietet hier gute Alternativen. Eine neue Option wird unter anderem das voraussichtlich in Zukunft mögliche Energy Sharing bieten. Hier schließen sich Nachbarn zusammen, um lokal erzeugten Ökostrom über das öffentliche Netz gemeinschaftlich zu nutzen. Dabei wird der Überschuss einer Anlage direkt und bilanziell mit dem Verbrauch der teilnehmenden Haushalte verrechnet.
Im Anschluss daran wurden die verschiedenen Agri-PV-Anlagentypen auf den angrenzenden Ackerflächen besichtigt. Philipp Purucker von den Bayerischen Staatsgütern (BaySG) veranschaulichte vor Ort die Unterschiede zwischen den verschiedenen Anlagentypen. Man unterscheidet hier vor allem zwischen vertikal aufgeständerten Modulen, die wie Zäune wirken, einachsig nachgeführten Modulen, die dem Stand der Sonne folgen, und hoch aufgeständerten Modulen. Während sich nachgeführte Systeme durch besonders hohe Stromerträge auszeichnen, jedoch wartungsintensiver sind, kommt die vertikale Bauweise ohne einen Elektromotor und eine entsprechende Übersetzung aus. Hier ist hingegen bei der Dünge- und Pflanzenschutzausbringung besondere Vorsicht angebracht, da beispielsweise Düngemittelkörner an den Modulen abprallen können und somit eine ungleichmäßige Düngung hervorrufen. Die hoch aufgeständerte Variante eignet sich dagegen sehr gut für gewisse Sonderkulturen wie beispielsweise Hopfengärten oder Obstplantagen. Ein möglicher Vorteil bei entsprechend ausgerichteten Agri-PV-Typen: Die Erzeugungsspitzen liegen nicht wie bei klassischen Freiflächenanlagen überwiegend während Mittagszeit, sondern sie können auch in den Morgen- und Abendstunden eine hohe Einspeisung vorweisen. In diesen Zeiten liegen die Marktpreise in der Regel höher.
In der abschließenden Diskussion kamen praktische Fragen zur Bewirtschaftung auf. Das Ausbringen von Dünger und Pflanzenschutzmitteln sowie die Ernte erfordern zwischen den Modulreihen eine präzise Fahrweise. Hierfür wurde den Teilnehmern die GPS-gestützte Steuerung von Landmaschinen als essenzielles Werkzeug empfohlen.
Zum Abschluss der Exkursion gab Anton Dippold, Geschäftsführer der Bayerischen Staatsgüter, den Teilnehmern eine Führung durch die verschiedenen Gebäude und Rinderställe des Versuchszentrums. Er gab Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte mit dem Schwerpunkt Rinderzucht und unterstrich die Bedeutung des Standorts Grub für die zukunftsorientierte Entwicklung der bayerischen Landwirtschaft. (lkr)




